Press ESC to close

Lieferengpässe in Apotheken – Fakten, Auswirkungen und Handlungsempfehlungen

Lieferengpässe bei Arzneimitteln sind eine der zentralen Herausforderungen für viele Vor-Ort-Apotheken in Deutschland. Laut dem Statistischen Jahrbuch „Die Apotheke: Zahlen, Daten, Fakten 2025“ der ABDA nehmen Lieferengpässe – auch von lebenswichtigen Arzneimitteln – seit Jahren zu. Die Gründe: komplexe Logistik rund um den Globus sowie sehr wenig Produktion in Deutschland. Im Gegenteil – mehr als 50 % der in Europa zugelassenen Wirkstoffe werden inzwischen in Indien und China hergestellt. Die Folgen: Schlechtere Versorgung mit Arzneimitteln und ein signifikant erhöhter Aufwand in Apotheken sowohl in der Beschaffung als auch in der Patientenkommunikation.

Die Daten des ABDA-Jahrbuchs zeigen deutlich, wie stark Lieferengpässe die tägliche Versorgung belasten. Im Jahr 2024 wurden dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) 892 Lieferengpässe gemeldet, davon 198 als versorgungsrelevant eingestufte Wirkstoffe. Auch bei zentralen Arzneimitteln wie Fosfomycin, Folinsäure, Diamorphin, Natriumchlorid oder antibiotikahaltigen Säften für Kinder bestehen teils weiterhin Versorgungslücken. Die Zahlen machen klar, dass Lieferengpässe ein strukturelles Problem sind und Apotheken im Arbeitsalltag erheblich fordern – nicht nur logistisch, sondern auch auf organisatorischer und kommunikativer Ebene.

Infografik zur Zeitverteilung einer 40-Stunden-Woche: 23 Stunden pro Woche entfallen auf Lieferengpass-Management (rot dargestellt), 17 Stunden pro Woche auf sonstige Tätigkeiten (grau dargestellt). Die Aufteilung wird durch ein Punktraster aus roten und grauen Kreisen visualisiert.

Die Folgen sind deutlich spürbar. Apotheken-Teams berichten, dass sie im Schnitt mehr als 23 Stunden pro Woche mit dem Management von Lieferengpässen verbringen – mit Aufgaben wie Rückfragen zu Lieferzeiten, Bestellung von Alternativen, Kommunikation mit ÄrztInnen, KundInnen und Großhandel sowie der Dokumentation der Versorgungsengpässe. Damit beansprucht das Thema einen erheblichen Teil der personellen Kapazitäten und Ressourcen – und das zusätzlich zum regulären Tagesgeschäft.

Doch die Ursachen sind strukturell: Viele Wirkstoffe werden heute global produziert. Die Konzentration auf wenige Hersteller und Produktionsstätten führt zu hoher Verwundbarkeit bei Qualitätsproblemen, Rohstoffengpässen oder logistischen Störungen. Generika, die besonders stark betroffen sind, werden häufig mit minimalen Margen verkauft – dadurch sinkt der Anreiz für Hersteller, Vorratspuffer aufzubauen oder alternative Produktionswege zu unterhalten. Gleichzeitig steigen Nachfrage- und Versorgungsspitzen – beispielsweise durch saisonale Erkrankungen –, was weitere Anspannung auf die ohnehin fragilen Lieferkette bewirkt.

Was können Apotheken bei Lieferengpässen in der Arzneimittelversorgung tun?

Für Apotheken ist die Herausforderung nur teilweise lösbar. Wer in dieser Situation bestehen will, braucht klar strukturierte Prozesse, strategisches Vorgehen und eine umfassende Digitalisierung der Apotheke. Das beginnt mit vorausschauender Planung und umsichtiger Bevorratung kritischer Medikamente. Es setzt transparente Kommunikation mit PatientInnen voraus – offene Information über Lieferengpässe, frühzeitige Hinweise auf mögliche Verzögerungen sowie Beratung zu Alternativen. Da gerade die Patientenkommunikation ein erheblicher Zeitaufwand ist, ist es für Vor-Ort-Apotheken ratsam, Lieferengpässe auch auf digitalen Kanälen zu kommunizieren. Das kann beispielsweise im Apotheken-Onlineshop und der apothekenindividuellen App sein, aber auch in Newslettern oder Push-Benachrichtigungen. Viele KundInnen wissen gar nichts von strukturellen Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln. Sie wollen ein Medikament bestellen und es ist nicht verfügbar – das führt zu einem negativen Kundenerlebnis mit Ihrer Apotheke. Wenn Sie hier bereits im Vorfeld transparent kommunizieren, mit wie weitreichenden Lieferengpässen die gesamte Branche aktuell zurechtkommen muss, wird der Kunde es weniger stark auf Ihre Apotheke beziehen. Wichtig ist auch der Austausch mit ÄrztInnen, Großhandel und anderen Apotheken – nur so lassen sich Engpässe mit Weitsicht und Übersicht abfedern.

Digitale Prozesse können auch den Aufwand in der Kommunikation mit dem Großhandel reduzieren – beispielsweise durch direkte Anbindung an Ihr Warenwirtschaftssystem oder automatische Nachbestellungen von Produkten. Oder aber bei der Organisation von Liefer- und Botendiensten. Durch digitale Lösungen können sinnvolle Routen und optimierte Zeiten für Botendienste erstellt werden. Über vernetzte Systeme können Apotheken die Kommunikation und Organisation zentral steuern und vermeiden so doppelte Arbeit.

Lieferengpässe werden auch in den kommenden Jahren ein fester Bestandteil des Apothekenalltags bleiben und verlangen nach klaren Prozessen und moderner Kommunikation. Das bedeutet, Apotheken müssen sich auf die Bausteine fokussieren, die sie direkt beeinflussen können: Schnelle Kommunikation, Digitalisierung und klare Prozesse.

Jetzt anmelden

und direkt von neuen Blogbeiträgen erfahren
DSGVO-Erklärung

Für den Versand unserer Newsletter nutzen wir rapidmail. Mit Ihrer Anmeldung stimmen Sie zu, dass die eingegebenen Daten an rapidmail übermittelt werden. Beachten Sie bitte auch die AGB und Datenschutzbestimmungen .