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Fachkräftemangel und Personalsituation in Apotheken: Zahlen, Fakten und Tipps

Inhaltsverzeichnis

Vor-Ort-Apotheken kämpfen derzeit mit vielen Herausforderungen gleichzeitig. Digitalisierung, Onlinehandel, Lieferengpässe, Kostendruck und Bürokratie. Hinzu kommt der Fachkräftemangel. Angestellte in Apotheken sind überwiegend Frauen und das Durchschnittsalter liegt bei knapp 50 Jahren. Zudem kommen immer weniger Auszubildende nach. Die Zahl sinkt das dritte Jahr in Folge. Wie genau die Personalsituation in Vor-Ort-Apotheken aussieht und was Sie in Sachen Apotheken-Recruiting und Personalmarketing dagegen tun können, erfahren Sie in diesem Beitrag.

Personalstruktur in Apotheken in Zahlen

Die Personalsituation in deutschen Apotheken vor Ort steht im Jahr 2026 vor mehreren Herausforderungen – gleichzeitig liefert sie auch Ansatzpunkte für gezielte Maßnahmen. Zuerst ein Blick auf die aktuellen Strukturen. Die Studie „Die Apotheke – Zahlen, Daten, Fakten 2025“ der Bundesvereinigung Deutscher Apothekenverbände (ABDA) zeigt einige aufschlussreiche Zahlen und Fakten zur Personalstruktur in deutschen Apotheken auf.

  • Ende 2024 waren etwa 162.186 Menschen in öffentlichen Apotheken beschäftigt.
  • Rund ein Drittel dieser Beschäftigten sind approbierte Apothekerinnen und Apotheker – präziser: 53.235 Apothekerinnen/Apotheker in öffentlichen Apotheken.
  • Zwei Drittel liegen in den Berufsgruppen Pharmazeutisch-technische AssistentInnen (PTA) mit 72.189 Mitarbeitenden sowie Pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte (PKA) mit 32.108 Mitarbeitenden.
  • Der Frauenanteil liegt bei allen Beschäftigten in öffentlichen Apotheken bei rund 89,2 %. Bei den approbierten Apothekerinnen und Apothekern beträgt er 74,1 %.
  • Bei der Ausbildung bzw. den Ausbildungsplätzen zeigt sich: Im Jahr 2024 gab es insgesamt 6.542 Ausbildungsplätze in Apothekenbetrieben – davon 3.457 PKA-Auszubildende, 1.962 PTA-PraktikantInnen und 1.123 PhiP (Pharmazie-Praktikantinnen).
  • Knapp die Hälfte der Apotheken bildet derzeit aus.

Diese Daten zeigen deutlich, Apotheken besteht nicht nur aus dem approbierten Personal, sondern auch PTA und PKA spielen eine sehr wichtige Rolle.

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Ausblick: Sicherer Arbeitsplatz – zu wenig Nachwuchs

Apotheken entwickeln sich weiter, keine Frage. Und damit gehen auch komplett neue Berufsfelder, wie beispielsweise im Apotheken Marketing oder im Digitalisierungsbereich einher. Trotzdem tut sich die Branche schwer, geeignete Fachkräfte zu finden. Obwohl laut Umfrage kaum Entlassungen geplant sind und Angestellte gesucht werden, straucheln viele Apotheken auf dem Arbeitsmarkt.

  • Laut dem Jahrbuch ist bei den öffentlichen Apotheken eine generelle Arbeitsplatzsicherheit gegeben – Entlassungen sind selten geplant.
  • Einstellungen: Sechs von zehn ApothekeninhaberInnen planen, in den nächsten zwei bis drei Jahren Fachkräfte einzustellen.
  • Bei Entlassungen: Acht von zehn rechnen nicht mit Entlassungen von Mitarbeitenden.

Für Apotheken-InhaberInnen heißt das: Der Trend geht klar nicht in Richtung Personalabbau – vielmehr ist eine weitere Verstärkung des Teams geplant. Damit entsteht gleichzeitig der Druck, geeignete Fachkräfte zu finden, zu halten und zu integrieren –– doch diese Herausforderung ist gar nicht so leicht lösbar.

Fachkräftemangel in Apotheken: Probleme und Ursachen

Der Fachkräftemangel in Apotheken ist kein neues Thema – die Untersuchungen belegen jedoch, dass es weiterhin hochaktuell ist und sich teilweise sogar noch verschärft. Dabei gibt es einige wesentliche Problemfelder und Ursachen, speziell für Apotheken vor Ort.

Probleme

  • Lücken in der Besetzung: Zwar gibt es viele Stellen, doch geeignete BewerberInnen sind nicht in ausreichender Anzahl verfügbar. Der Anteil an Ausbildungsplätzen geht zurück, was mittelfristig zu Fachkräfteschwund führen kann.
  • Hoher Wettbewerbs- und Belastungsdruck: Apotheken stellen mehr Anforderungen (z. B. erweiterte pharmazeutische Dienstleistungen, Botendienste, E-Rezept, Kenntnisse im Digital-Bereich, Mehrarbeit) – gleichzeitig schrumpft die Zahl der Vor-Ort-Apotheken und damit oft die Kapazitäten.
  • Teilzeit und Work-Life‐Balance: Mit einem Frauenanteil von nahezu 90 % und vielen Teilzeitarbeitsverhältnissen müssen flexible Arbeitsmodelle angeboten werden – sonst droht Abwanderung in andere Branchen. Öffnungszeiten nach Einzelhandelsmanier bis 19 Uhr oder länger müssen überdacht werden.
  • Weniger berufliche Benefits: Home-Office, Workation, Vier-Tage-Woche – Apotheken können den wachsenden Ansprüchen von jungen Fachkräften schlecht gerecht werden.

Ursachen

  • Rückgang bei Nachwuchs: Ausbildungszahlen sinken (2022 waren es noch 7685 Stellen, 2024 nur noch 6.542). Dieses Problem ist zweiseitig – immer weniger junge Menschen wollen eine Ausbildung im Apothekenbereich machen und durch die schrumpfende Anzahl der Vor-Ort-Apotheken sinkt auch das Ausbildungsangebot. Im Berufsfeld ApothekerIn sind zudem die Einstiegshürden hoch – ein schweres Studium mit langer Ausbildungszeit, geringerer Verdienst als in anderen Branchen.
  • Alternde Belegschaften: Dieser Punkt wird auch durch den ersten verschärft. Das Durchschnittsalter der approbierten ApothekerInnen liegt in öffentlichen Apotheken bei etwa 48,4 Jahren.
  • Hoher Frauenanteil: Fast drei Viertel der approbierten ApothekerInnen sind Frauen. Da Frauen nach wie vor einen Großteil der Care-Arbeit leisten, arbeiten sie deutlich häufiger in Teilzeit als ihre männlichen Kollegen.
  • Attraktivitätsprobleme des Berufsbilds: Präsenzpflicht, Samstagsarbeit, Unterbesetzung, viele nichtpharmazeutische Tätigkeiten, vergleichsweise geringe Bezahlung. Berufsbilder in Apotheken stehen im Vergleich mit Jobs in der Pharma- oder Chemieindustrie sowie mit klassischen Büro-Jobs schlechter da.
  • Veränderte Anforderungen: Die Apotheke vor Ort muss zunehmend digital denken, soziale Medien pflegen, Botendienst anbieten, wodurch neue Kompetenzprofile gefragt sind. Wer diese nicht abdeckt, verliert Wettbewerbsfähigkeit.

Wenn Sie in Ihrer Apotheke dem Fachkräftemangel proaktiv begegnen möchten, gilt es nicht nur „eine Stelle zu besetzen“, sondern ein attraktives Arbeitgeber- und Ausbildungsangebot zu schaffen, das auf die realen Wünsche heutiger Fachkräfte eingeht.

7 Tipps für Recruiting und Personalmarketing in Apotheken

Vor-Ort-Apotheken müssen sich dem Fachkräftemangel trotzdem nicht geschlagen geben. Denn es gibt einige Stellschrauben und Tipps, um mehr Fachkräfte anzulocken und damit auch die eigene Apotheke langfristig und zukunftssicher aufzustellen.

  1. Arbeitgeber-Marke („Employer Branding“) stärken
  • Zeigen Sie Ihre Apotheke als attraktiven Arbeitsplatz mit klarer Vision: z. B. „Apotheke vor Ort mit digitalem Fokus und Mensch sowie Fachberatung im Mittelpunkt“.
  • Betonen Sie Benefits: flexible Arbeitszeiten, Teilzeitmodelle, Weiterbildungsmöglichkeiten, z. B. in pharmazeutischen Dienstleistungen.
  • Nutzen Sie Ihre Website und Social-Media-Kanäle zur Darstellung des Arbeitsalltags im Team. Zum Beispiel indem Sie echte Mitarbeitende zu Wort kommen lassen, Firmenevents zeigen, Humor beweisen und auch junge KollegInnen ansprechen.
  • Veröffentlichen Sie Stellenanzeigen mit konkreten Vorteilen und Projekten (z. B. Botendienst-Rollout, E-Rezept-Integration), nicht nur mit Anforderungen. Zudem sind Benefits wichtig: Bieten Sie übertarifliche Gehälter, Urlaubsgeld, Zuschuss zum Deutschlandticket, Fitnessmitgliedschaft oder Verpflegung an? Dann zeigen Sie es direkt und überzeugen sie so potentielle BewerberInnen.
  • Investieren sie in ein professionelles Fotografenteam, um das gebotene Arbeitsumfeld auch hinter den Kulissen in Szene zu setzen.
  • Nutzen Sie hier Ihre Kenntnisse über Ihre Personalzielgruppe: In den allermeisten Fällen sprechen Apotheken Frauen an – bewerben Sie Ihre Stellenanzeigen also auch dementsprechend und passen Sie Sprache, Farben und Bilder an.
  1. Zielgerichtetes Recruiting
  • Definieren Sie klar: Welche Kompetenzen benötigen Sie – z. B. PTA mit digitaler Affinität, PKA mit Affinität zu Social Media.
  • Nutzen Sie gezielt Online-Plattformen, Jobportale – aber auch lokale Netzwerke (z. B. Regionale Apothekerkammern, Ausbildungsmessen).
  • Machen Sie die Stelle spannend: Bieten Sie z. B. eine Rolle, in der Mitarbeitende eigenständig Inhalte für Social Media, Website und Marketing gestalten – das hebt Sie von klassischen Stellenangeboten ab.
  • Auch hier müssen Sie sich wieder auf Ihre personalzielgruppe fokussieren: Stellen Sie die wichtigsten Aspekte für Ihre Zielgruppe nach vorn: z. B. Flexible Pausenzeiten, regelmäßig freie Samstage, Schließtage und Betriebsferien in den Schulferien (für Mütter relevant)
  1. Aufgabenprofile erweitern – Mitarbeitende stärker einbinden
  • Nutzen Sie die Digital-Natives: Gerade jüngere MitarbeiterInnen sind oft sehr versiert im Umgang mit Social Media und digitalen Medien, erweitern Sie damit das Aufgabenfeld der Auszubildenden und lassen Sie sie Verantwortung für diese Kanäle übernehmen – das macht Ihnen häufig Spaß und motiviert.
  • Stellen Sie sicher, dass diese Aufgaben nicht „nur zusätzlich“ sind, sondern Teil eines offiziellen Rollenprofils – mit Zeitbudget, Schulung und Wertschätzung.
  • Dies erhöht Zufriedenheit, Bindung und macht Ihre Apotheke attraktiv für BewerberInnen, die Ihren Fokus nicht nur in der Beratung und in Backoffice-Arbeiten sehen.
  1. Bindung und Entwicklung
  • Bieten Sie regelmäßige Weiterbildungen (z. B. zu digitalen Services, E-Rezept aber auch im Bereich Apotheken-Marketing) – Fachkräfte möchten sich entwickeln.
  • Fördern Sie eine offene Feedback-Kultur und führen Sie Gespräche über Karrierewunsch und Zufriedenheit – so erkennen Sie früh Wechselrisiken.
  • Stunden und Schichten fair verteilen. Achten Sie auf eine Work-Life-Balance ihrer MitarbeiterInnen. Beispielsweise könnten PTA jeden zweiten Samstag frei haben.
  • Lassen Sie Ihre Mitarbeitenden aktiv an Veränderungen teilhaben. Meist haben Sie fabelhaftes Kundenwissen, und erkennen, was Ihre Kunden sich wünschen. Geben Sie Ihrem Personal hier die Chance Kreativ zu werden.
  • Mitarbeiter Rabatte auf bestimmte Produkte
  1. Flexibilität und Arbeitsmodelle
  • Berücksichtigen Sie den hohen Anteil weiblicher Beschäftigter und Teilzeitinteresse – bieten Sie flexible Arbeitszeiten und Schichtmodelle an. Gerade junge Mütter sind meist hochmotivierte Arbeitnehmerinnen, müssen aber zwischen Schul- und Kitazeiten oft mit den Schichten jonglieren. Wenn Sie hier Flexibilität anbieten können, eröffnet sich ganz neues Arbeitnehmer-Potenzial
  • Längere Pausen in klassischen Leerzeiten in Ihrer Apotheke oder geteilte Schichten können ebenfalls spannend für BewerberInnen sein – je flexibler, desto besser.
  1. Automatisierung und Prozessoptimierung
  • Minimieren Sie demotivierende, nichtpharmazeutische Routinearbeiten. Eventuell lässt sich die Organisation von wiederkehrenden Aufgaben optimieren (z. B.: Vorbestellkanäle, kaskadiertes Telefonklingeln, Auffüllen, Rezeptkontrolle)
  • Investieren Sie in einen Kommissionierer, im besten Fall mit vollautomatischer Einlagerung
  • Investition in ein modernes Apothekenverwaltungs- und Managementsystem (idealerweise papierlos)
  • Setzen Sie bewährte digitale Tools für die interne Zeit- und Prozessplanung ein
  • Organisieren Sie das Bargeldmanagement bestmöglich (Geldwaage + herausnehmbare Münz-Cups)
  • Optimieren Sie die täglichen Laufwege (z.B. zum Abholregal, zu Schnelldrehern in Frei- und Sichtwahl)
  • Falls möglich, trennen Sie Arbeitsbereiche von Lager- und Archivbereichen
  • Investieren Sie in kompetente Reinigungskräfte. Ihr Apotheken-Fachpersonal sollte hierfür nicht verantwortlich sein.
  1. Ergonomie und Arbeitsatmosphäre
  • Idealerweise ist Verwaltung und Backoffice gut strukturiert und geordnet.
  • Werbe- und Warenaufsteller sind wichtig für die Apotheke – achten Sie dennoch auf ausreichend Tageslicht in Ihrem Verkaufsraum und auch den Büroräumen.
  • Installieren Sie am besten eine helle, aber nicht blendende Beleuchtung in allen Arbeitsbereichen.
  • Wählen Sie ergonomische Sitzmöbel und Arbeitsplätze für Ihr Apothekenpersonal
  • Weisen Sie Ruhezonen für die MitarbeiterInnen sowie Pausenräume aus.

Fazit – Personalsituation in Apotheken

Das Personal in Apotheken ist breit aufgestellt – mit einem starken Anteil von PTA und PKA und einem sehr hohen Frauenanteil. Dennoch bleibt der Fachkräftemangel ein zentrales Thema – Ursachen sind beispielsweise sinkende Ausbildungszahlen, veränderte Anforderungen, hohe Teilzeitquote und wenig attraktive Arbeitsbedingungen.

Das heißt, Sie müssen Recruiting, Ausbildung, Aufgabenprofilierung und Arbeitgebermarketing strategisch denken. Wer proaktiv auf Mitarbeitende zugeht, flexible sowie attraktive Arbeitsmodelle bietet und Mitarbeitenden echtes Gestaltungspotenzial gibt, fördert das Team und erhöht die Wettbewerbsfähigkeit der Apotheke. Gutes Personal stärkt nicht nur Ihr Apothekenimage, sondern auch die Kundenbindung. Wenn Sie es schaffen, einen festen Kundenstamm durch gute Beratung in Kombination mit digitalen Angeboten in Ihrer Apotheke zu etablieren, können Sie durchaus mit günstigeren Versandapotheken mithalten. Zudem steigern Sie dadurch auch den Wert Ihrer Apotheke.