
Die wirtschaftliche Lage vieler Vor-Ort-Apotheken bleibt angespannt. Neue Auswertungen von Insight Health, analysiert durch Apovid, zeigen, dass sich Kundenfrequenz, OTC-Abverkäufe und der Umsatz bis Mitte November 2025 weiter verschlechtert haben.
Die Kundenfrequenz liegt aktuell 7,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Teilweise wurden sogar Rückgänge von 12,2 Prozent verzeichnet. Im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 fällt der Rückgang noch drastischer aus: Der Kundenverlust liegt teilweise bei weit über 20 Prozent.
Auch das OTC-Geschäft (rezeptfreie Medikamente) bricht weiter ein. Die Zahl der verkauften Packungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 4,1 Prozent gesunken und lag zeitweise sogar bei einem Minus von fast 10 Prozent.
Beim Umsatz zeigt sich ein ähnlicher Trend: Nach einem Plus von 1,6 Prozent im ersten Halbjahr beträgt das Minus inzwischen 1,3 Prozent. Und das trotz gestiegener Preise. Diese stiegen im ersten Halbjahr 2025 um 4,8 Prozent. Im dritten Quartal fiel der Preisindex bereits leicht ins Minus (-0,2 Prozent). Das bedeutet, auch die steigenden Preise können die rückläufigen Mengen nicht mehr kompensieren.
Warum bricht der Markt in Vor-Ort-Apotheken so ein?
Gerade der Einbruch beim Absatz und auch der Nachfrage von rezeptfreien Medikamenten stellt Vor-Ort-Apotheken vor Herausforderungen. Aber woran liegt das? Die Gründe sind zahlreich und komplex:
- Immer stärkere Marktdurchdringung von reinen Versand-Apotheken
- Schwache Wirtschaft und rückläufiger Konsum bei KundInnen
- Verändertes Kaufverhalten von KundInnen
- Mildere Infektionssaisonswellen (z. B. bei Influenza) als in den Vorjahren
- Lieferengpässe von verschiedenen Arzneimitteln
Hoffnungsträger RX-Bereich?
Etwas stabiler präsentiert sich der Rx-Bereich (verschreibungspflichtige Medikamente). Der Absatz liegt nur 0,4 Prozent unter Vorjahr und damit besser als im ersten Halbjahr, als ein Minus von 1,2 Prozent verzeichnet wurde. Der Umsatz hingegen stieg um 6,1 Prozent und liegt damit über dem Wert der ersten sechs Monate. Auch im Langzeitvergleich zeichnet sich ein Absatzwachstum ab: Im Vergleich zu 2019 zeigt der Rx-Absatz ein Plus von 8,1 Prozent – ein Hinweis darauf, dass die Versorgung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten weiterhin eine tragende wirtschaftliche Säule der Vor-Ort-Apotheken bleibt. Zudem scheint die Digitalisierung durch das E-Rezept angenommen zu werden und zu funktionieren.
Aber die Lage für Vor-Ort-Apotheken bleibt angespannt. Die aktuellen Marktdaten verdeutlichen, dass Frequenz, OTC-Geschäft und Umsatz spürbar unter Druck stehen. Zudem hat sich der Negativtrend seit dem Frühjahr 2025 verstärkt. Für Apotheken bedeutet das vor allem, betriebswirtschaftliche Kennzahlen im Blick zu behalten, die Bindung zu StammkundInnen zu stärken und Sortimente sowie Sichtwahl noch gezielter auszurichten, um den Rückgang der Laufkundschaft zumindest teilweise aufzufangen. Auch Digitalisierung kann ein Absatz-Treiber werden. Ein Onlineshop Ihrer Apotheke oder eine apothekenindividuelle App erreichen potentielle neue KundInnen und machen Vor-Ort-Apotheken gegenüber Versandapotheken konkurrenzfähig.

