
Die wirtschaftliche Lage vieler Vor-Ort-Apotheken bleibt angespannt. Neue Auswertungen von Insight Health, analysiert durch Apovid aus den Jahren 2025 und Q1 2026, zeigen, dass sich Kundenfrequenz, OTC-Abverkäufe und der Umsatz bis Mitte November 2025 weiter verschlechtert haben.
Die Kundenfrequenz liegt aktuell 5,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Damit zeigt sich ein noch stärkerer Rückgang als im Jahr 2025. Und bereits hier viel der Rückgang im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 drastisch aus: Der Kundenverlust liegt teilweise bei weit über 20 Prozent.
Auch das OTC-Geschäft (rezeptfreie Medikamente) bricht weiter ein. Der Absatz ist im Q1 2026 bereits um 9,8 Prozent gesunken und beim Umsatz zeigt sich ein Rückgang um 6,7 Prozent.
Bereits im Jahr 2025 zeigte sich beim OTC-Umsatz Umsatz ähnlicher Trend wie die Gesamtbewertung des vergangenen Jahres zeigt: Nach einem Plus von 1,6 Prozent im ersten Halbjahr (besonders durch ein starkes erstes Quartal) beträgt das Minus im zweiten Halbjahr 2025 1,3 Prozent.
Das Gesamtfazit für 2025: Ein Rückgang bei den verkauften Packungen von 3,8 % und ein Umsatzrückgang von 0,8 %. Diesen konnten auch die höheren Preise nicht auffangen. Diese stiegen im ersten Halbjahr 2025 um 4,8 Prozent. Im dritten Quartal fiel der Preisindex bereits leicht ins Minus (-0,2 Prozent).
Warum bricht der Markt in Vor-Ort-Apotheken so ein?
Gerade der Einbruch beim Absatz und auch der Nachfrage von rezeptfreien Medikamenten stellt Vor-Ort-Apotheken vor Herausforderungen. Aber woran liegt das? Die Gründe sind zahlreich und komplex:
- Immer stärkere Marktdurchdringung von reinen Versand-Apotheken
- Schwache Wirtschaft und rückläufiger Konsum bei KundInnen
- Verändertes Kaufverhalten von KundInnen
- Mildere Infektionssaisonswellen (z. B. bei Influenza) als in den Vorjahren
- Lieferengpässe von verschiedenen Arzneimitteln
Hoffnungsträger RX-Bereich?
Etwas stabiler präsentiert sich in Q1 2026 der Rx-Bereich (verschreibungspflichtige Medikamente). Doch auch hier wurden 2,1 Prozent weniger Packungen verkauft.
Dieser Negativ-Trend zeigte sich das erste Mal im zweiten Halbjahr 2025 als der Absatz erstmals unter dem Vorjahreswert lag. Insgesamt blieb 2025 hier nur ein leichtes Plus von 0,2 Prozent.
Damit stagniert die wichtige Grundlage für Vergütungen wie das Fixum, die Notdienstpauschale und pharmazeutische Dienstleistungen. 2024 war der Absatz noch um 3,0 Prozent gestiegen.
Der Umsatz liegt in den ersten Monaten 2026 bei einem Plus von 4,0 Prozent. Im vergangenen Jahr war er jedoch – auch dank des Preiseffekts – um 6,8 Prozent gestiegen, im Jahr 2024 sogar noch deutlicher um 8,4 Prozent.
Die Lage für Vor-Ort-Apotheken bleibt also angespannt. Die aktuellen Marktdaten verdeutlichen, dass Frequenz, OTC-Geschäft und Umsatz spürbar unter Druck stehen. Zudem hat sich der Negativtrend seit dem Frühjahr 2025 verstärkt. Für Apotheken bedeutet das vor allem, betriebswirtschaftliche Kennzahlen im Blick zu behalten, die Bindung zu StammkundInnen zu stärken und Sortimente sowie Sichtwahl noch gezielter auszurichten, um den Rückgang der Laufkundschaft zumindest teilweise aufzufangen. Auch Digitalisierung kann ein Absatz-Treiber werden. Ein Onlineshop Ihrer Apotheke oder eine apothekenindividuelle App erreichen potentielle neue KundInnen und machen Vor-Ort-Apotheken gegenüber Versandapotheken konkurrenzfähig.

